Hochregal- und Blocklagersystem

Lagerung von LVL-Platten bei Pollmeier

MINDA entwickelte ein Puffer-und ein Hochregallager für LVL-Platten.  Beide Lager wurden bei Pollmeier Massivholz in Creuzburg  in diesem Jahr installiert. Zum Lieferumfang gehörten neben dem Stahlbau auch die gesamte Mechanisierung und vor allem die Steuerung.

Hochregallager (HRL)

Kundenseitig wurde gefordert, dass in einem 20 m hohen Gebäude möglichst viele LVL- Platten (6 m bis 18,10 m lang und 100 mm bis 1900 mm breit) im Einzelzugriff  zu lagern und der anschließenden Weiterverarbeitung kommissionsorientiert anzuliefern sind. Dabei sollte die mittlere Ein- oder Auslagerzeit deutlich unter einer Minute liegen. Bei Störungen oder Unterbrechung der Weiterverarbeitung sollte die kontinuierlich laufende LVL-Produktionsanlage ohne Leistungseinbußen weiter entsorgt werden. Um die Platten für die Weiterverarbeitung zu konditionieren, muss dieses Lager bei einer Innen-temperatur von 60°C bis 70°C betrieben werden.

MINDA baute eine aus geschlossenen Rahmen bestehende sehr schlanke, leichte Stahlbaukonstruktion. Diese Rahmen wurden in einem festen Raster hintereinander aufgestellt und bilden mit den angeschraubten Dach-  und Wandpanelen die Außenhülle des Gebäudes. An diese Rahmen sind innen in einem engen Raster Kragarme übereinander befestigt, auf denen die Platten auf insgesamt 120 Plätzen abgelegt werden. Eine weitgehende Vorfertigung dieser Rahmen bei MINDA in Minden ermöglichte das Aufstellen des Hochregals vor Ort  in wenigen Tagen. Das Gebäude bietet nun Platz für zwei Regalanlagen, die erste Anlage wurde bereits installiert.

Das Regal ist in direkter Linie über eine Rollenbahn an die LVL-Produktionsanlage angebunden, drei weitere Rollenbahnen in unterschiedlichen Ebenen dienen der Versorgung der Weiterverarbeitung sowie der Rücklagerung angeschnittener Restplatten.

Zwei Hubwerke mit Gegengewicht stehen sich innerhalb des Lagers gegenüber und sind mit einer 18,50 m langen Traverse in Leichtbauweise verbunden. Über eine Master-Slave Steuerung werden beide Hubwerke millimetergenau gekoppelt. Mit Gegengewichten ist das System auf halbe Nutzlast austariert und erfordert damit eine sehr geringe installierte Hubleistung. Somit verbraucht es nur wenig Hubenergie bei einer Hubgeschwindigkeit von 60 m/min. Als Hubelement werden spezielle Stahlseil-Hubgurte verwendet. Dieses Hubsystem stellt eine saubere, laufruhige und völlig verschleiß- und wartungsfreie Lösung dar. Auf der Traverse sind acht Teleskopgabeln mit beidseitigem Hub von 2,00 m angeordnet. Sie nehmen die Platten von der Aufgaberollenbahn ab und lagern sie rechts oder links in das Regal in ein freies Fach ein.

 

Es ist möglich, in einem Lagerfach entweder eine 1,90 m breite Platte einzulagern oder auch mehrere schmale Reststreifen nebeneinander unterzubringen. Diese Reststreifen können auch einzeln ein- und ausgelagert werden. Die Sicherheit wurde bei diesem System in den Vordergrund gestellt. Störungen mit den bis zu 1,5 t schweren Platten in 20 m Höhe dürfen möglichst gar nicht auftreten und müssen sich dann einfach auflösen lassen. Deshalb überwachen spezielle Sensoren die Einlagerung jeder Platte und messen den freien Lagerplatz vor der Platte bei angeschnittenen Reststücken sowie die korrekte Lage jeder Platte im Lager. Ein auf der Hubtraverse angeordnetes Kamerasystem erlaubt dem Bediener vom Boden aus, auch manuell in die Steuerung einzugreifen.

120 Plätze für Platten und schmale Reststreifen im HRL

Blocklager

Das Blocklager dient der Pufferung von Halbfertig- und Fertigprodukten großer Volumina. Hier werden Platten einer Dimension und Länge in bis zu 4 m Höhe auf dem Hallenboden übereinander gestapelt. Diese Lagerfläche erstreckt sich über eine Länge von 100 m und wird von einem von MINDA gelieferten Spezialkran mit Hubwerk und Vakuumsaugern überstrichen. Da die Abnahmeposition des Kranes an einer Stirnseite der Halle gelegen ist, musste der Fahrantrieb für 180 m/min ausgelegt werden und hohe Brems- und Beschleunigungskräfte realisieren. Besonders gefordert wird dabei das Antriebssystem. Hier fiel die Wahl auf  Vulkollräder mit 800 mm Durchmesser und zwei asynchron arbeitenden Servoantrieben mit einer Antriebsleistung von 18,5 KW. Die Räder zeichnen sich durch einen sehr ruhigen und verschleißfreien Lauf aus. Die Antriebe erlauben eine sehr genaue Regelung und Positionierung bei hoher Dynamik. Der Hub von 4,70 m wird von zwei Scherensystemen realisiert. An diese Hubwerke sind insgesamt sechs Saugerkissen mit automatischen Schaltventilen befestigt. Damit können Platten von 6,00 bis 18,10 m in jeder Länge sicher angehoben werden, auch eine mögliche Fehlstelle unter einer Saugerplatte kann problemlos toleriert werden. Kurze Platten bis zu 8,50 m Länge werden zweifach hintereinander im 18,10 m langen Lager abgelegt und können auch einzeln manipuliert werden.

Während des Verfahrens werden die Platten mit einer mechanischen Fangeinrichtung gesichert, so dass bei einem Ausfall des Vakuums die bis zu 2,5 t schwere Platte nicht abstürzt. Der Betrieb des Kranes erfolgt vollautomatisch in einem abgesicherten Bereich. Der überlagerte Leitrechner gibt die Einlager-  und Auslagerbefehle vor, die vom Kran nach Erledigung zurückgemeldet werden. Im Handbetrieb kann der Bediener mit einem funkgesteuerten Bediengerät alle Kranfunktionen direkt vor jedem Stapel steuern, um z. B. manuelle Umlagerungen oder Auslagerungen einzelner Platten ohne Fahrauftrag durch den Leitrechner zu erledigen. Die Kommunikation des Kranes mit der Steuerung erfolgt über eine sichere W-LAN Verbindung, um auch bei großen Entfernungen und hohen Datenmengen einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können.

Spezialkran hebt LVL-Platten, Ablage ins Blocklager

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